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Waldkind MIT Verpackung


Erfahrungen nach zwei Monaten Waldkindergarten im nassen Herbst

Ja. Du stehst jeden Morgen an der offenen Haustür, vergleichst deine wahrgenommene Temperatur mit den Daten deiner Wetter App und versuchst die Wolken zu deuten.

Ja. Es dauert länger ein Kind für den Waldkindergarten anzuziehen als für den „normalen“ Kindergarten. Da kannst du bei Protest ja auch mal die Schuhe weglassen, das Kind zur Gruppe tragen und direkt in die Hausschuhe schlüpfen. Das geht im Wald nicht.

Ja. Du brauchst mehrere Jacken, Regenhosen und Schneeanzüge. Und die werden viel häufiger gewaschen.

Eine Liste mit den Kleidungsstücken, die ich meinem Sohn jeden Morgen anziehe, gibt es hier. Es ist die November/Dezemberliste. Das sind unsere bisherigen Erfahrungen.

„Warum sollte ich nach diesem Auftakt noch Lust haben mein Kind im Waldkindergarten anzumelden? Das gibt doch nur Stress! Und mal im Ernst! Ich würde nicht den ganzen Tag im Wald verbringen wollen! Da hat man doch als Mutter ein schlechtes Gewissen, wenn man wieder Zuhause im Warmen sitzt.“

Die Frage ist, welche Alternative es zum Waldkindergarten gibt. Vor kurzem habe ich von Bauernhofkindergärten gelesen. Das stelle ich mir traumhaft vor. Oder der Kindergarten von „Keinohrhasen“, da würde ich mein Kind sofort anmelden!

Meistens ist es aber so, dass die Wahl zwischen städtischen Kindergärten, Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft oder einigen Elterninitiativen zu fällen ist. Alle meinen es gut. Und alle haben eins gemeinsam: Viele Kinder, wenig Platz und zwei Erzieher(innen) pro Gruppe. Ich möchte keinen Kindergarten schlecht machen und ganz sicher gibt es Ausnahmen. Meistens sieht die Realität aber so aus. Und um in diesen Rahmenbedingungen den Kindern (und dem pädagogischen Personal) gerecht zu werden, braucht man Regeln. Viele Regeln.

Ich möchte mich an dieser Stelle gar nicht kritisch mit der Struktur von Kindergärten auseinandersetzen. Als mein Sohn einen solchen das erste Mal betrat, sagte er. „Zu laut. Zuviel Kinder.“

Doch der Waldkindergarten soll nicht als die bessere Wahl zwischen zwei faulen Äpfeln betrachtet werden. Ich möchte auch nicht die pädagogischen Vorteile von Waldkindergärten herausarbeiten. Die kannst du an anderer Stelle gerne nachlesen.

Warum ist der Waldkindergarten unser Place to be?

Die Regeln sind einfach und notwendig. Daher auch nachvollziehbar für einen dreijährigen. Sie schützen seine Unversehrtheit. Punkt.

Mein Sohn kann hier machen was er will!

Und er darf so viel! Hämmern! Mit echten Nägeln. Sägen! Mit einer echten Säge! Er darf auf seinem Popo den Berg runter rutschen. Mit dem Lehm vom Lehmhügel nach Herzenslust matschen. Er darf sich selbständig Wasser aus einem Kanister holen und in der Matschküche „Suppe“ kochen. Er darf Löcher buddeln, Häuser bauen, Pläne aushecken und diese Umsetzen!

Er darf seine Selbstwirksamkeit erfahren. Und an Selbstwert gewinnen. Und er darf den Wald lieben.


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